Kognitive Störungen bei Morbus Parkinson

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Neben den Kardinalsymptomen Bradykinese, Rigor, Tremor sowie Haltungsinstabilität und Störungen des Gleichgewichts zählen auch Veränderungen nicht-motorischer Funktionen zu häufigen Folgen der Parkinson-Erkrankung – so wird von vielen PatientInnen u.a. ein Nachlassen ihrer Gedächtnisleistungen und der Konzentrationsfähigkeit beklagt.

Da das Auftreten kognitiver Störungen sowohl mit der Lebensqualität der PatientInnen als auch mit der Belastung der Angehörigen in engem Zusammenhang steht, kommt dem frühzeitigen Erkennen kognitiver Veränderungen besondere Bedeutung zu. Aktuellen Studien zufolge ist davon auszugehen, dass etwa jeder Dritte Parkinson-Patient zumindest eine leichte kognitive Beeinträchtigung aufweist.

Obwohl sich das kognitive Leistungsprofil von Parkinson-PatientInnen durchaus recht heterogen darstellen kann, konnten auch „typische“ Veränderungen identifiziert werden, die bei vielen PatientInnen zu beobachten sind. So zeigen sich häufig Beeinträchtigungen in den sogenannten „Exekutiven Funktionen“ (Planen, Problemlösen, Ideenproduktion u.dgl.), im Bereich der Aufmerksamkeit, bei bestimmten Gedächtnisanforderungen und bei visuell-räumlichen Aufgaben. Im Alltag äußern sich diese Beeinträchtigungen z.B. durch eine reduzierte Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit (Verlangsamung im Denken), eine erhöhte Ablenkbarkeit, Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen oder sich auf etwas Neues einzustellen. Oft ist die Fähigkeit, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, gestört, d.h. PatientInnen sind ev. nicht in der Lage, im Gehen ein Gespräch zu führen. Arbeitsgedächtnis, Lernfähigkeit und der freie Abruf von Gedächtnisinhalten zeigen sich ebenfalls häufig reduziert, die meisten PatientInnen können aber von Hinweisreizen bzw. kleinen Hilfen gut profitieren und Informationen richtig wiedererkennen.

Mithilfe von speziell für Parkinson-PatientInnen entwickelten kognitiven Screening-Verfahren können solche typischen Veränderungen rasch und ökonomisch erfasst werden. Zur Beantwortung spezifischer (z.B. differentialdiagnostischer) Fragestellungen ist die Durchführung einer ausführlichen neuropsychologischen Untersuchung allerdings unerlässlich.

Nach Abschluss der Diagnostik stellt die Rückmeldung der Testergebnisse an den Patienten den ersten Schritt in der neuropsychologischen Behandlung an unserer Klinik dar. So können u.a. subjektiv wahrgenommene Veränderungen erklärt und vom Patienten besser eingeordnet werden. Unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden und der individuellen Alltagsanforderungen werden mit dem Patienten gemeinsam realistisch erreichbare Ziele definiert und ein Behandlungsplan erstellt. Neben dem Funktionstraining, das darauf abzielt, beeinträchtigte Leistungen zu verbessern, kommt der Vermittlung von Informationen (psychoedukative Maßnahmen) und von Strategien zur Kompensation von Defiziten und zum Umgang mit den wahrgenommenen Veränderungen besondere Bedeutung zu.

Im Rahmen von Angehörigenberatungsgesprächen lernen Angehörige, wie sie den Patienten optimal unterstützen können, um ihn einerseits nicht unter (Leistungs-)Druck zu setzen, andererseits aber die Aufrechterhaltung seiner Funktionsfähigkeit bzw. das Zurückgewinnen von Alltagskompetenzen bestmöglich zu fördern. Darüber hinaus werden Angehörige aber auch dahingehend sensibilisiert, über die Sorge um den Patienten und dessen Wohlergehen nicht die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu vernachlässigen.

In diesem Sinne ist das übergeordnete Ziel der neuropsychologischen Behandlung an unserer Klinik darin zu sehen, die Lebensqualität möglichst aller Beteiligten zu verbessern und deren Selbstkompetenz und Selbstwirksamkeitserwartung im Umgang mit der Parkinson-Erkrankung zu erhöhen. 

Häufige Fragen